Samstag, 24. Januar 2009
 
Die Hälfte der Beschäftigten muss pendeln PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gewerkschaftlicher Linksblock   
Dienstag, 6. März 2007

Während die Minister Buchinger und Bartenstein um die Höhe der Mobilitätsprämie für Arbeitnehmerinnen und Arbeiter streiten, die weit entfernt vom Wohnort einen Job annehmen, ist der Gewerkschaftliche Linksblock der Meinung, der Vorwurf mangelnder Mobilität sei weltfremd.

„Von akuter Weltfremdheit befallen sind offensichtlich jene Experten, die eine mangelnde Mobilität der Arbeitskräfte in Österreich beklagen, einschlägige Fakten sagen nämlich gegenteiliges aus“, kritisiert Karin Antlanger, Bundesvorsitzende der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB).

Laut Statistik Austria pendeln nämlich über 1,8 Millionen Beschäftigte in eine andere Gemeinde zur Arbeit, davon 1,64 Millionen täglich und 184.000 wöchentlich. In eine andere Gemeinde des eigenen Bundeslandes pendeln täglich 1,31 Millionen und wöchentlich 48.000, in ein anderes Bundesland täglich 303.000 und wöchentlich 106.000 und ins Ausland täglich 27.000 und wöchentlich 30.000 Beschäftigte.

Die Behauptung mangelnder Mobilität der Beschäftigten entbehrt somit jeglicher Grundlage, die in diesem Zusammenhang kritisierte „Trägheit durch moderate Zumutbarkeitsbestimmungen“ für Arbeitslose sind daher eine gefährliche Drohung. Anstatt wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Berufsausbildung zu setzen betreibt die Bundesregierung unter dem Stichwort „Facharbeitermangel“ sowohl den Import ausländische Arbeitskräfte als gezieltes Lohndumping als auch massiven Druck auf Arbeitslose durch forcierte Mobilität.

Der GLB verweist zur Pendlerthematik auch auf die Erkenntnis einer Arbeiterkammer-Studie auf, wonach Pendeln depressiv und krank macht. Laut dieser Studie sind über 170.000 Beschäftigte dabei mehr als zwei Stunden unterwegs. Als Belastung und Stressfaktoren werden dabei oftmaliges Umsteigen, nicht abgestimmte Fahrpläne, lange Wartezeiten, zu große Intervalle und Verspätungen von Bus und Bahn sowie von AutofahrerInnen immer längere Staus empfunden.
Als Grundfrage im Zusammenhang mit den Belastungen durch den Pendelverkehr sieht der GLB jedoch die immer stärker verlangte totale Mobilität der Arbeitskräfte, die sich EU-weit auf die vier Grundfreiheiten, das Binnenmarkt-Konzept und das Dogma des Wettbewerbs stützt: „Waren früher Wohnort und Arbeitsort räumlich mehr oder weniger identisch, so werden heute stundenlange Fahrten zum und vom Arbeitsplatz als normal empfunden. Dass die Betroffenen dabei viele Stunden ihrer Zeit unbezahlt verlieren, wird meist verdrängt“, so GLB-Bundesvorsitzende Karin Antlanger.

Durch die immer stärker verlangte Flexibilisierung und die damit verbundene Zertrümmerung einheitlicher Arbeitszeiten verstärkt sich der Druck auch für PendlerInnen, weil das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln mit den Anforderungen der Wirtschaft nicht mithalten kann und vor allem der Individualverkehr verstärkt wird.

Durch angeblich ökonomische Zwänge und unter Zugrundelegung falscher Prioritäten erfolgt immer weniger einer sinnvollen Abstimmung von Arbeitsplätzen und Wohnorten die darüber hinaus Bildung, Freizeit und Einkauf Rechnung trägt. Durch die Zerschlagung der Verstaatlichten und die hemmungslose Privatisierungspolitik fehlt zunehmend auch jede politische Gestaltungsmöglichkeit durch eine sinnvolle Strukturpolitik Arbeitsplätze dort zu schaffen wo die Menschen wohnen: „Das Dogma einer unbeschränkten Mobilität erweist sich demnach ebenso wie das eines totalen Wettbewerbs immer mehr als kontraproduktiv für die Lebensqualität der Menschen“, so Antlanger abschließend.

Gewerkschaftlicher Linksblock (GLB), Hugogasse 8, A-1110 Wien
Telefon +43 664 61 45 012 oder +43 1-53 444-308 -
Mail – Web www.glb.at – Ausgabe vom 5. März 2007

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